Neben den neun oben genannten Ländern werden weitere 60 Länder genannt. Da der Anbau von Tabak äußerst arbeitsintensiv ist, arbeiten rund 100 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit auf den Plantagen – bis zu 12 Stunden pro Tag. Genauso lang arbeiten auch die Kinder und das an 6 Tagen in der Woche.

Brasilien

Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Süden von Brasilien, wo der 10-Jährige Evandro und seine Familie leben.

Aktuell beträgt die Anbaufläche von Tabak in Brasilien etwa 500 000 Hektar mit einer Gesamtproduktion an Tabakblättern von knapp 880 000 Tonnen. Im Jahr 2004 gingen ca. 600 000 Tonnen im Wert von 1,4 Milliarden US$ in den Export.

135 000 kleinbäuerliche Familienbetriebe produzieren Tabak als für sie wirtschaftlich wichtigstes Produkt. Tabak ist eines der wenigen Produkte, dass auch auf kleinen Flächen ein viermal höheres Einkommen erzeugt als jede anderen Frucht. Darüberhinaus hilft es, die Abwanderung auf dem Land zu mildern, da es Familienarbeitskräfte effizient ausnutzt. Die Lohnkosten betragen bei Tabak etwa 50% der gesamten Produktionskosten. Allerdings zeigt das Einkommen von Tabak-Betrieben über die Jahre kräftige Schwankungen.

Tabak ist eine wichtige Quelle für ständige Arbeitsplätze, die spezialisierte Arbeit auf den Betrieben wie auch in der lokalen Industrie bereithält. Die Gesamtanzahl an Arbeitsplätzen in der Tabakindustrie beträgt etwa 2,2 Millionen, davon sind 500000 direkt in der Landwirtschaft, 200000 in betriebsnahen Aktivitäten, wie der Weiterverarbeitung auf den Betrieben und weitere 1,5 Millionen in vor- und nachgelagerten Bereichen wie Transport, Distribution, Verarbeitung, Gross- und Einzelhandel, Verarbeitung für den Export, ect.Wie in vielen anderen Ländern ist die Tabakproduktion in Brasilien nicht nur wegen der hohen Rentabilität attraktiv, sonder auch wegen der garantierten Produktionsabnahme, die es bei anderen Produkten nicht gibt.

Die industrielle Tabakproduktion konzentriert sich vor allem im Süden des Landes in den Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul, wo sich Tabak erzeugende und verarbeitende Industrien befinden, die stark exportorientiert sind. Die Bundesstaaten sind sehr vom Einkommen der Mehrwertsteuer auf Tabak abhängig. Als zweitgrösster Tabakproduzent der Welt exportiert Brasilien 60% seiner Erträge hauptsächlich in die USA und nach Asien.

Quelle: TERRA Brasil

Malawi

Malawi, ein kleines, hügeliges Land im Südosten Afrikas, ist so tabakabhängig wie kein anderer Staat der Erde; 70 Prozent seiner Deviseneinnahmen bezieht es aus dem Export der getrockneten, nikotinreichen Blätter. Beflügelt von der damals enormen Nachfrage auf dem Weltmarkt, förderte die Regierung in den 1970er Jahren massiv den Anbau von Tabak. Zunächst auf großen, staatlich kontrollierte Farmen, dann öffnete die Regierung auf Druck von Weltbank und Internationalem Währungsfonds den Sektor für alle. Hunderttausende Kleinbauern begannen in den 1990er Jahren, Tabak anzupflanzen, die Preise fingen an zu sinken, die Einkäufer verschärften den Trend mitunter noch, indem sie illegale Kartelle bildeten – und bis heute gibt in der Handelskette jeder den Druck nach unten weiter.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, 18.06.2016,
Weltspiegel: Malawi: Wie funktioniert eine der größten Tabakbörsen 08.02.15
Weltspiegel: Malawi: Giftige Tabakernte

 

 

 

Die Pflanze

 

Alternativen: Studie

Drei Kontinente, drei Alternativ-Projekte: viel Stoff zur Diskussion. Unsere Studie Alternative Livelihoods to Tobacco. Approaches & Experiences ist erschienen. Mehr: unfairtobacco