Verantwortliche sagen

Gesundheitsministerium Malawi

Wie die Regierung das Thema Gesundheitsrisiken bei der Tabakernte angeht, davon vermittelt ein Anruf im Gesundheitsministerium einen Eindruck. Charles Mwansambo, in Großbritannien ausgebildeter Kinderarzt, ist Leiter der Abteilung staatliches Gesundheitswesen. “Grüne… wie? Tabakkrankheit?” fragt er am Telefon. “Das ist uns nicht bekannt, dafür haben wir keine Kategorie. Schicken Sie mir eine E-Mail mit der genauen Bezeichnung, dann kann ich das mal für Sie googeln.” Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

Ein Professor und Politiker in Malawi

Und was sagt ein unabhängiger Mediziner zu dem Thema? Besuch bei John Chisi, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität von Malawi und zugleich Vorsitzender der malawischen Ärztekammer. Ein kompakt gebauter Mann in grauem Nadelstreifenanzug; er empfängt am frühen Abend in seinem Büro, auf der Besuchercouch sitzen zwei weitere Männer. “Nun, ich bin Mediziner, aber auch Politiker”, erklärt er zur Begrüßung, “da muss ich meine Worte gut abwägen.” Chisi hat 2014 zum ersten Mal bei der Präsidentschaftswahl kandidiert, mit mäßigem Erfolg, aber nächstes Mal werde er es schaffen, da gibt er sich selbstbewusst. Und nun zu den medizinischen Fragen: “Grüne Tabakkrankheit, sagen Sie? In der seriösen Medizin brauchen Sie Beweise. Wie wollen Sie dieses grüne Was-Auch-Immer diagnostizieren? Über Antikörper im Blut?” Gesundheitsgefährdung durch Tabak sei nur beim Rauchen erwiesen, darauf beharrt der Professor, “und die Malawier rauchen nicht, weil sie schlicht kein Geld haben.” Aber selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt doch, dass Kinder, die Tabak ernten, durch die Grüne Tabakkrankheit “besonders gefährdet” seien. “Ja, die WHO”, sagt der Mediziner, “wissen Sie, jede Organisation hat doch eine bestimmte Agenda.” Dann schaltet sich einer der beiden Männer auf der Couch in das Gespräch ein; er stellt sich vor als der politische Sprecher des Präsidentschafts-Anwärters John Chisi – und als Sohn eines malawischen Tabak-Großbauern. “Es mag ja sein, dass Leute Atemprobleme bekommen”, sagt er, “aber dann eher von Pestiziden. Bei uns auf der Farm benutzen wir Traktoren, um Pestizide auszutragen, da kommt kein Arbeiter direkt in Berührung damit.” Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016