Tabakblätter enthalten Nikotin, ein starkes Nervengift. Wer mit der Haut die Blätter berührt, nimmt Nikotin auf und vergiftet sich. Je feuchter der Tabak, desto schlimmer. In der südbrasilianischen Hitze schwitzen die Pflanzer und leiden deshalb stark an der «grünen Tabakkrankheit», wie die Nikotinvergiftung auch genannt wird. In der Erntezeit, wenn die Hitze am größten ist, wird es noch schlimmer. Film Kassensturz

US-Studie

Malawi: – viele … unter schmerzhaftem Husten leiden, unter Kopf- und Bauchschmerzen und unter Muskelschwäche: alles typische Symptome einer Nikotinvergiftung. Ein Kind, das ohne Schutzkleidung auf einer Tabakplantage arbeitet, nimmt einer US-Studie zufolge bis zu 54 Milligramm Nikotin über die Haut auf; so viel, als hätte es 50 Zigaretten geraucht. Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

Die Ärztin

Die Wissenschaftlerin Rosa Wolff erforscht die Wirkung von Tabak auf den menschlichen Organismus seit Jahren. Die Studien der Medizinerin zeigen: “Wer während vier Stunden Tabakblätter erntet und dabei noch schwitzt, vergiftet seinen Körper so stark mit Nikotin wie jemand, der 20 Zigaretten raucht.” Sie untersucht die 9-Jährige Franzciele Moro: “Ich untersuche die Reflexe. Die Vergiftung durch Pestizide und Nikotin bewirken eine Veränderung des Nervensystems. Das wirkt sich dann so aus, dass bei diesen Kindern Reflexe fehlen, ein Zeichen von Nervenschäden.” Film Kassensturz

Der Vater

“Das Gift im Tabak ist sehr ungesund für uns. Einmal mussten wir sogar alle ins Krankenhaus, weil wir derart starke Schwindelanfälle und Fieber hatten und uns erbrechen mussten”

Der Tabakbauer

“Es ist viel zu heiß. Die Industrie möchte zwar, dass man eine Schutzkleidung mit Helm und Stiefel trägt, aber das hält hier keiner aus. Ungeschützt spritzen ist gefährlich. Viele Pflanzer leiden nach jahrelanger Arbeit  mit Pestiziden an Erkrankungen von Nervensystem und Atemwegen,” sagt José Carlos Pereira, Tabakbauer im Süden Brasiliens. Film Kassensturz

Stechender Schmerz im Brustkorb

Malawi, Dalitso Batison, elf Jahre alt. Der Husten, den man bei der Tabakernte bekommt, sei anders als bei einer Erkältung, sagt Dalitso Batison, der in einem rissigen lila Hemd auf einer Bastmatte vor dem Haus seines Vaters sitzt: “Es tut stärker weh. Ein stechender Schmerz im Brustkorb.” Nach dem Unterricht hilft er seinen Eltern beim Anpflanzen, Ernten und Trocknen des Tabaks; “es ist harte Arbeit”, sagt er. Sein Vater Charles, der neben ihm sitzt, schaut zu Boden; “ich würde ihn lieber heute als morgen von dieser Arbeit befreien”, sagt er, “und statt dessen erwachsene Erntehelfer anheuern, aber ich kann nichts machen, die Preise sind inzwischen so lächerlich niedrig.” Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

Kreuzschmerzen

Sambia, Leyla 12 Jahre: Ich habe oft Kreuzschmerzen, weil wir viele Stunden lang arbeiten. Wenn der Tabak reif ist, dann haben wir so viel zu tun, dass ich nicht zur Schule gehen kann. Ich bezahle vom verdienten Geld meine Schulgebühren, die Bücher und meine Kleidung. Sogar mein Bett habe ich selbst bezahlt. Kindernothilfe Video Youtube: “Diese Arbeit macht mich krank” – Kinderarbeit auf Tabakplantagen und in Steinbrüchen 

14 Stunden arbeiten

Brasilien, Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen wurden jeden Morgen um sechs Uhr auf einem an einen Traktor angehängten Karren zu den Feldern transportiert, wo sie die Tabakernte vornehmen mussten und dabei ohne angemessene Schutzkleidung den Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt waren. Gegen acht Uhr Abends wurden sie zu ihrer Behausung zurückgebracht. Quelle: amerika21 Elf Kinder und Jugendliche aus Sklavenarbeit befreit

Übermüdung

Rosa Wolf, Ärztin mit Franzciele Moro, 9 Jahre alt: “Sie hat starke Lernschwierigkeiten, dies sei in der Region ein großes Problem. Die Kinder haben keine Zeit für sich, weil sie arbeiten müssen. Diese körperliche Arbeit ermüdet die Kinder so stark, dass sie in der wenigen Freizeit, die ihnen bleibt, so erschöpft sind, dass sie nicht mehr lernen können…

Schutzkleidung

Als “Green Tobacco Sickness” (GTS), Grüne Tabakkrankheit, bezeichnen heute auch die internationalen Konzerne selbst das unter Plantagenarbeitern verbreitete Leiden – British American Tobacco schreibt auf seiner Website: Obwohl der Stand der Forschung noch “begrenzt” sei, erkenne man ein mögliches Gesundheitsrisiko an – und empfehle Plantagenarbeitern, möglichst keine regennassen Blätter zu verarbeiten und grundsätzlich wasserdichte Schutzkleidung zu tragen. Schutzkleidung? “Ja, die bekommen wir von Alliance One gestellt”, sagt Charles Batison und verschwindet wieder kurz in seiner Hütte. Zurück kommt er mit einem Paar Einmal-Handschuhe aus Latex, wie man sie in einem deutschen Drogeriemarkt im Hunderter-Pack für rund fünf Euro bekommt. Alliance One erklärt dazu, die in Malawi angebaute Tabaksorte Burley habe einen vergleichsweise niedrigen Nikotingehalt, dennoch informiere man die Vertragsbauern über die Notwendigkeit, langärmlige Hemden zu tragen und nach der Arbeit die Hautpartien, die mit Tabakblättern in Berührung gekommen sind, zu waschen. Jeder Bauer erhalte jährlich “vier Paar Latexhandschuhe, vier Gesichtsmasken und zwei Stück Seife”. Quelle: Süddeutsche Zeitung “Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven, 18.6.2016

Depressionen

Eine anderen häufige Krankheit bei den Tabakbauern im Süden Brasiliens sind Depressionen. Sonia Moro, Mutter von Faciele ist stark depressiv. Jahrelang arbeitete sie als Tabak Sie hat keine Lebensmittel mehr.  Ich habe mehrmals probiert, mir das Leben zu nehmen. Ich habe Gift genommen, mich aufgehängt. Diese Geschichte erlebe ich immer wieder. In jeder Familie gibt es jemanden, der an Depressionen leidet. Die Selbstmordrate ist in dieser Region sehr hoch, viel höher, als in Regionen Brasiliens, in denen kein Tabak angebaut wird. Studien belegen, dass die Selbstmordrate in REgionen Brasiliens, in denen Tabak angebaut wird, siebenmal so hoch ist wie in anderen. Film Kassensturz

Schweizer Fernsehen Video Youtube Kassensturz – Kinderarbeit beim Tabak: Leiden für Raucher

arte Journal Video Youtube: Kinderarbeit auf Amerikas Tabakfeldern 

Kindernothilfe Video Youtube: Robinson auf der Tabakplantage – Kinderarbeit in Sambia 

Kindernothilfe Video Youtube: “Ich weiß, dass die Arbeit gefährlich ist” – Interview zu Kinderarbeit auf Tabakplantagen 

SZ  Artikel  PDF Das blutige Geschäft mit den Tabak-Sklaven vom 18.06.2016

Bayerischer Rundfunkt Video Verschwundene Nutzpflanze: Tabakanbau im Kammersteiner Land | Zwischen Spessart und Karwendel