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Macht der Tabaklobby – Dokumentation des WDR

In keinem anderen europäischen Land darf die Tabakindustrie mit großen Plakaten fürs Rauchen werben, außer in Deutschland. Eigentlich sollte auch hier die Außenwerbung längst verboten werden. Doch die CDU hat den Gesetzesentwurf im Bundestag blockiert, offenbar aufgrund massiven Drängens der Tabakindustrie.

Quelle und Anschauen: WDR Westpol

E-Zigaretten: Umsatz explodiert

Lag der Umsatz mit dem elektronischen Pendant zum Tabak-Glimmstängel im Jahr 2010 noch bei bescheidenen 5 Millionen Euro, ist er 2017 Schätzungen des Verbands des E-Zigaretten-Handels zufolge auf 600 Mio. Euro angewachsen. Zum Vergleich: Der Umsatz mit Tabak-Zigaretten in Deutschland betrug 2017 21,4 Milliarden Euro. Davon ist die E-Zigarette also noch ein Stück entfernt. Experten rechnen aber weiterhin mit einem starken Umsatzanstieg in den kommenden Jahren.

E-Zigaretten gelten im Vergleich zur Tabak-Zigarette selbst im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg als weniger schädlich. Die Experten betonen aber, dass E-Zigaretten für Nichtraucher eine Erhöhung des Gesundheitsrisikos bedeuten, da bei ihrem Konsum ein Chemikaliengemisch inhaliert werde.

Quelle: Ärzte Wirtschaft

https://www.arzt-wirtschaft.de/e-zigaretten-umsatz-explodiert/

Tabakwerbung: Rommerskirchen diskutiert

Mit ihrem Antrag, in Rommerskirchen die Tabakwerbung zu verbieten, ist die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen bei der Verwaltung offensichtlich offene Türen eingelaufen.

Nicht nur, dass Deutschland das einzige europäische Land sei, “in dem noch uneingeschränkte Außenwerbung für Tabak erlaubt ist”, stört die Grünen. Auch die Tatsache, dass “das Verbot der Tabakaußenwerbung wie auf wundersame Weise aus dem Koalitionsvertrag verschwunden ist”, hat Norbert Wrobel offensichtlich zu der Verbotsinitiative in Sachen Tabakwerbung bewogen.

Tabakwerbung könnte die Gemeinde nur auf eigenen Werbeflächen verbieten, doch die hält sie Ordnungsamtsleiter Hans Knelleken zufolge nicht vor. Bei Sonderaktionen, wie etwa Anträgen für Plakatierungen im öffentlichen Straßenraum, “wird grundsätzlich darauf geachtet, dass keine Tabakwerbung genehmigt wird”, betont Knelleken.

Kritik an Bündnis 90/Die Grünen kommt lediglich von der FDP: “Das ist die Ideologie der Grünen: Den Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie ihr Leben zu leben haben”, merkt Stephan Kunz, Partei- und Fraktionschef der Liberalen, bissig an. Sein Standpunkt: “Wir sind nicht die Erziehungsberechtigten der Bürger. Wir setzen auf die Eigenverantwortung und Mündigkeit jedes Einzelnen. Deshalb: Ein Werbeverbot für ein legales Produkt lehnen wir ab.”

Quelle: Rheinische Post

Schweiz: «Zwei von drei Sechsjährigen erkennen Kamel der Camel-Werbung»

Kampf dem Glimmstängel: Die Tabakwerbung soll laut Gesundheitsverbänden aus dem Sichtfeld der Jungen verschwinden. Jugendschutz oder Bevormundung?

Soll die Tabakwerbung verboten werden? Oder widerspricht dies dem freien Wettbewerb? Darüber diskutieren im «TalkTäglich» der Zürcher FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler, und Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte.

Diese Woche fiel der Startschuss für die Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung». Dahinter stehen zahlreiche Gesundheitsverbände, welche die Werbung für Zigaretten und Co. aus dem Kinosaal, Zeitungen, Plakaten oder sozialen Medien verbieten wollen. Für die Bürgerlichen ist dies ein Angriff auf den freien Wettbewerb.

Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und Vorsitzender der Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik, unterstützt zwar die Absicht, Minderjährige vor Tabakwerbung zu schützen. «Das ist völlig indiskutabel», sagt er in der Sendung «TalkTäglich».

«Tabak ist ein legales Produkt»

Aber: «Ich finde es auch wichtig, dass man sich ebenso klar zur Wirtschaftsfreiheit in diesem Land bekennt.» Dies sei ein verfassungsmässig garantierter Anspruch. Zudem würde die Tabakindustrie ein Prozent des Bruttoinlandproduktes erwirtschaften und 11‘000 Menschen beschäftigen. Zudem sei Tabak ist ein legales Produkt.

Für Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte, sind die Risiken der Zigaretten gross: «Neun von zehn Krebserkrankungen haben mit Tabak zu tun.» Auch fast alle Herzinfarkte stünden in einem Zusammenhang mit Tabak, führt er weiter aus. Was bis jetzt im Tabakproduktegesetz festgehalten worden ist, geht ihm zu wenig weit. «Die Jugendlichen werden weiterhin von der Tabaklobby instrumentalisiert.»

Dazu nennt er ein Beispiel: Während 90 Prozent der 6-Jährigen das Disneychannel-Logo als solches erkennen würden, seien es immerhin noch 60 Prozent, die das Kamel mit der Camel-Werbung in Verbindung brächten. «Da bleibt also etwas hängen – genau das wollen wir verhindern.»

Er ist überzeugt, dass sich ein Verbot der Tabakwerbung lohnt. In den Kantonen Solothurn und Wallis würden zusätzliche sechs bis sieben Prozent der Jugendlichen auf den Glimmstängel verzichten, seit das Werbeverbot in Kraft sei. «Das ist ein Erfolg.»

“Werbung spielt den Jungen etwas vor”

Philippe Luchsinger, Präsident von “mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz”, nimmt im Interview am 20. März 2018 Stellung zur Initiative, die ein Werbeverbot für Tabakprodukte fordert.

Quelle: Aargauer Zeitung

Landtag NRW: Antwort auf Anfrage der SPD zu Nichtraucherschutz

Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage  821 vom  21. Februar 2018 des Abgeordneten Serdar Yüksel SPD – Drucksache 17/2020

Werden die Kommunen mit dem Nichtraucherschutz alleine gelassen?

Vorbemerkung der Kleinen Anfrage
In jüngerer Vergangenheit sind wiederholt Fälle bekannt geworden, in denen das Nichtrauchschutzgesetz massiv missachtet wurde. Wiederholte Kontrollen auf kommunaler Ebene zeigen, dass insbesondere in sogenannten Shisha-Cafés erhebliche Defizite bei der Einhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes bestehen. Laut Medienberichten wurden im Januar beispielsweise sechs Verstöße gegen das Nichtraucherschutzgesetz bei der Kontrolle von elf Cafés in Bochum festgestellt, obwohl entsprechende Kontrollen bereits im Vorjahr durchgeführt wurden. Auch in Dortmund wurden im gleichen Monat bei der Kontrolle von elf Cafés ähnlich gravierende Verstöße festgestellt. Zudem wurden Fälle bekannt, bei denen Jugendliche schwere Kohlenmonoxid-Vergiftungen erlitten haben.

Laut Ärztekammer Nordrhein wurden allein am Universitätsklinikum Düsseldorf im Jahr 2017 circa 40 Raucher von Wasserpfeifen mit einer Vergiftung behandelt. Die Ärztekammer Nordrhein fordert von der Landesregierung deshalb, Kohlenmonoxid-Melder zur Pflicht in sogenannten Shisha-Cafés zu machen.

Antwort des Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales

Schweiz: Initiative zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung

Die Initiative “Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung” (Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung) will ein Werbeverbot in der Verfassung verankern: Untersagt werden soll jede Art von Werbung für Tabakprodukte, die Kinder und Jugendliche erreicht. Zudem soll der bestehende Artikel zur Kinder- und Jugendförderung um den Gesundheitsschutz ergänzt werden.

Was das konkret bedeuteten könnte, erläutern die Initianten in den schriftlichen Unterlagen zum Volksbegehren. Verboten werden soll Tabakwerbung in Printmedien, im Internet, auf Plakaten, in Kinos oder an den Verkaufsstellen. Nicht mehr zulässig wären auch Gratisangebote in Clubs, Zigarettenlogos auf Kleidern, Rabatte, Wettbewerbe oder Sponsoring.

Solche Verbote bewirkten nachweislich eine signifikante Senkung des Tabakkonsums, schreiben die Initianten. Nur beschränkt wirksam seien Teilverbote, etwa das Verbot von Inseraten in Medien, die sich mehrheitlich an Minderjährige richteten.

Hinter der Initiative stehen Gesundheits- und Jugendorganisationen. Im Komitee vertreten sind unter anderen die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV), die Ärzteverbindung FMH, die Verbindung der Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe), der Schweizerische Apothekerverband, der Schweizerische Drogistenverband und die Schweizerische Gesundheitsligenkonferenz (GELIKO).

Weiterlesen: Luzerner Zeitung

Schweiz: So agiert die Tabaklobby

Laut lobbywatch.ch finden verschiedene Tabak-Firmen und Interessensgemeinschaften über Parlamentarier den Weg in die Politik. Die grössten Player sind dabei die Vereinigung des Schweizerischen Tabakwarenhandels, Swiss Tabac und Swiss Cigarette. Letztere ist zum Beispiel ein Verein, dessen Mitglieder die British American Tobacco Switzerland SA, JT International AG Dagmarsellen und Philip Morris S.A. sind.

Verbunden zum Beispiel über SVP-Nationalrat Gregor Rutz direkt als Präsident der Vereinigung des Schweizerischen Tabakwarenhandels. Indirekt auch über SVP-Nationalrat Toni Brunner, der Thomas Bähler, Geschäftsführer der Vereinigung, einen Zutrittsbadge abgegeben hat. Indirekt auch über FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois, über den Francis Egger, Generalsekretär von Swiss Tabac, einen Zutritt erhält.

Die versteckten Player: Einer der stärksten Kämpfer für die Tabakindustrie und gegen das Tabakwerbeverbot ist der Schweizer Gewerbeverband, dessen Präsident der FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler ist. Der Verband war bei der Gründung der Organisation «Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik» (AWMP) federführend. Er setzt sich gegen «eine noch höhere Regulierungsdichte und zusätzlich Einschränkungen der persönlichen Freiheit der gesamten Bevölkerung» ein.

Bekannt ist er in der Öffentlichkeit aber kaum. Dafür aber seine über 20 Mitglieder. Und sie kommen aus allen möglichen Richtungen. Von Gastrosuisse und Hotelleriesuisse bis zum Schweizer Bauerverband und dem Schweizer Fleisch-Fachverband. Als Unterstützer werden aber auch die Parteien SVP und CVP aufgelistet.

PR-Profis in der Wandelhalle: Unter den Zutrittsberechtigten im Parlament sind auch PR-Profis anzutreffen, die im Auftrag von Tabakfirmen tätig sind. Laut einer NZZ-Recherche von 2016 war das zum Beispiel Renate Hotz für British American Tobacco. Sie ist über den SVP-Ständerat Hannes Germann aktuell immer noch zutrittsberechtigt.

Grosszügige Partys: Bekannt ist, dass Tabakfirmen wie Davidoff als grosszügige Sponsoren an Partys und Veranstaltungen auftreten. Laut einer vom Tabakpräventionsfonds finanzierten Studie aus dem Jahr 2014 lässt die Tabakindustrie für grosse Veranstaltungen bis zu 400’000 Franken springen.

Werbung im Ärztemagazin: Für Aufsehen in der Ärzte-Community sorgte eine Werbung von Philip Morris in einer Ärzte-Fachzeitschrift. Diese lag wie eine übliche Wissenschafts-Beilage dem Heft bei, wie der Beobachter berichtete.

Weiterlesen: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Tabakwerbung: Schweizer Ärzte verlieren die Geduld

Der Streit um die Tabakwerbung spitzt sich zu. Ärzte und Gesundheitsorganisationen lancieren kommende Woche eine Volksinitiative. Das Ziel: ein Verbot für Tabakwerbung im öffentlichen Raum.

«Geschmack von Freiheit, Risiko und Abenteuer, sexuelle Anziehungskraft, Rebellion» – auf diese Werte, die Jugendliche ansprechen, setzen Zigarettenhersteller in der Werbung. Das schreibt der Bundesrat in seinem Bericht zum Tabakproduktegesetz. Mit diesem will er das bestehende Verbot von Tabakwerbung, die sich speziell an Jugendliche unter 18 Jahren richtet, konkretisieren.

Tabu sind Anzeigen heute etwa an Orten, wo sich hauptsächlich Jugendliche aufhalten. Künftig soll das Werbeverbot auch in Gratiszeitungen und im Internet gelten, ausser es handelt sich um kostenpflichtige oder Erwachsenen vorbehaltene Webseiten. An Verkaufsstellen will der Bundesrat keine Tabakreklame direkt neben Bonbons, Kaugummis und Süssigkeiten mehr sehen.

Weiterlesen: Luzerner Zeitung

E-Zigaretten-Szene kämpft gegen Tabaksteuer

Die Innocigs-Gründer engagieren sich in Brüssel und Berlin für ihre Branche und loben, dass die GroKo Tabakwerbung weiterhin erlaubt.

In die Politik hat es Dustin Dahlmann eigentlich nie gezogen. Doch inzwischen reist der 31-Jährige fast wöchentlich nach Brüssel oder Berlin, redet mit Abgeordneten, trifft andere Lobbyisten. Dabei wollte Dahlmann ursprünglich nur mit seinem 37-jährigen Bruder Dennis eine Geschäftsidee umsetzen: den Verkauf von E-Zigaretten und der dazu passenden Liquids.

Die beiden gehören zu den Pionieren der Dampfer-Szene in Deutschland. Ihr Unternehmen Innocigs steht von zwei Seiten unter Druck: Die Politik prüft, wie sie die elektronische Zigarette reguliert. Und die etablierten Tabakkonzerne drängen mit eigenen Alternativen auf den Markt – zuletzt kündigte Reemtsma den Marktstart an. Doch bislang behauptet sich Innocigs offenbar gut.

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Das gefährliche Revival der Zigarette

Kaum steigt die Zahl der Nichtraucher nachhaltig, treibt die Industrie einen neuen Trend voran: Die vermeintlich harmlose E-Zigarette.

Hin und wieder schaue ich mir gern einen Filmklassiker an. Unfassbar, wie früher in vielen Streifen nahezu pausenlos geraucht wurde. Im Vergleich zu den heutigen Filmen wird deutlich: Es gibt große Fortschritte, dem Gesundheitskiller Rauchen den Garaus zu machen. Bei Jugendlichen geht die Zahl der Raucher deutlich zurück. Und auch Manager schwören dem Teufel aus der Tabakschachtel weitgehend ab. Nur noch rund zehn Prozent der Führungskräfte greifen zur Zigarette, auch die teure Havanna-Zigarre als Symbol des beruflichen Erfolgs ist in den Vorstandsetagen weitgehend verschwunden.

Ich sehe das aber nur als Zwischenetappe. Denn immer noch werden in Deutschland jährlich 80 Milliarden Glimmstängel verkauft. Das sind 80 Milliarden zu viel, denn die Angst vor Lungen- und Blasenkrebs sowie schwerer Schädigungen von Herz und Kreislauf sind natürlich sehr gut begründet. Selbst der gelegentliche Zigarettenkonsum ist, so neuere Erkenntnisse, problematisch.

Inzwischen macht mir zudem ein relativ neuer Trend Sorgen. E-Zigarette, Zigarettenverdampfer und die Shisha Pfeife sind in Mode. Es wird suggeriert, diese ersatzweise Form des Rauchens sei gefahrenfrei. Offenbar haben die Hersteller erkannt, dass es in einigen entwickelten Ländern, zu denen auch Deutschland gehört, ihrem Kernprodukt an den Kragen geht. Sie haben sich nach Alternativen umgesehen und sind zu einem innovativen substituierenden Produkt gekommen. E-Zigarette statt Zigarette, so wie E-Auto statt Diesel.

Doch wie bei der Mobilität der Zukunft ist es auch beim Rauchen nicht ganz so einfach. Ein paar Fakten: Beim herkömmlichen Zigarettenrauchen wird Tabak an der Zigarettenspitze mit einer Temperatur von 800 – 900 Grad Celsius verbrannt. Was dabei an Schadstoffen entsteht, ist beängstigend. Bei der E-Zigaretten handelt es sich um ein Tabakröhrchen, dessen Tabak auf rund 350 Grad erhitzt wird. Auch bei der Aufnahme von aromatisierten Flüssigkeiten, inzwischen sind über 7000 Aromastoffe im Handel, sollen vom Raucher deutlich weniger Schadstoffe aufgenommen werden.

Quelle: Handelsblatt